Betriebsrentenstärkungsgesetz 2018 verabschiedet: Neue Chancen in der bAV nutzen!

Am 07.Juli 2017 hat der Bundesrat das Betriebsrentenstärkungsgesetz (BRSG) verabschiedet und damit den Weg für eine Neuausrichtung der betrieblichen Altersversorgung in Deutschland freigemacht.

Das neue Gesetz tritt zum 01.01.2018 in Kraft. Es zielt darauf ab, die Attraktivität der betrieblichen Altersversorgung (bAV) zu stärken und in kleinen und mittleren Unternehmen den Verbreitungsgrad durch ergänzende Förderungsmaßnahmen zu erhöhen.

Wichtig zu wissen: Die bekannten Durchführungswege der bAV bleiben unverändert bestehen und können weiterhin genutzt werden. Bestehende Verträge, die vor 2018 abgeschlossen wurden, werden unverändert fortgeführt.

Nachfolgend haben wir für Sie die wichtigsten Neuerungen zusammengefasst:

 

A. Neuerungen / Verbesserungen im Rahmen der Direktversicherung

1. Neuer bAV-Förderbetrag für Arbeitgeber – Hohe Steuervorteile für die arbeitgeberfinanzierte bAV

Künftig fördert der Staat den Aufbau einer rein arbeitgeberfinanzierten bAV für Mitarbeiter mit einem mtl. Gehalt bis zu2.200 EUR mit einem Sofort-Zuschuss für Arbeitgeber in Höhe von 30%. Den Zuschuss kann der Arbeitgeber für Beiträge zwischen 240 und 480 EUR p.a. im Rahmen einer sofortigen Verrechnung mit der abzuführenden Lohnsteuer geltend machen. Der verbleibende Beitrag kann zusätzlich als Betriebsausgabe abgesetzt werden.

Eine Inanspruchnahme des bAV-Förderbetrages kann additiv zu einer staatlich geförderten bAV genutzt werden. Es erfolgt keine Anrechnung auf die sonstige geförderte bAV, solange die Einkommensgrenze von 2.200 EUR unterschritten wird. Für den Arbeitnehmer ist der bAV-Förderbetrag steuer- und beitragsfrei in der Sozialversicherung.

2. Sonstige Änderungen bei der Direktversicherung

2.1 Erhöhung des steuerfreien Förderrahmens für die Beiträge

Ab 2018 sind die Beitragszahlungen zur Direktversicherung bis 8% der BBG West steuerfrei (Bis 2017: 4%). Der bisherige zusätzliche Festbetrag in Höhe von 1.800 EUR entfällt. Die Sozialabgabenfreiheit der Beiträge bleibt hiervon unberührt und wird weiterhin auf 4% begrenzt. Die Erhöhung der Fördergrenzen ist attraktiv für Besserverdiener oberhalb der Beitragsbemessungsgrenzen. Im Bestandskundengeschäft kann die Ausweitung der Fördergrenzen durch Neuvertrag ausgeschöpft werden und ist nicht mehr an den Einschluss eines biometrischen Risikos gekoppelt. Dies gilt auch unter Anrechnung einer bestehenden Versorgung nach alter Förderung gemäß §40b EStG (Pauschalbesteuerung).

 

Summe Beiträge AN- und AG-finanziert*

bis 2017 p.a.

ab 2018 p.a.

Steuer- und sozialabgabenfrei

4% BBG

4% BBG

Steuerfreier Zusatzbeitrag

+ 1.800 EUR

+ 4 % BBG**

Bestehender Alt-Vertrag mit Förderung §40b EStG (alte Fassung)

Keine Inanspruchnahme des Zusatzbetrags möglich, unabhängig vom tatsächlichen Aufwand

Nur Anrechnung des tatsächlichen Aufwands

 *oder Pensionskasse/Pensionsfonds    **in 2017 max. mtl. 254 EUR / max. p.a. 3.048 EUR

 

2.2 Verpflichtende Weitergabe der Beitragsersparnis in der Sozialversicherung ab 2019

 

Im Rahmen der Entgeltumwandlung sind Arbeitgeber bei Neuverträgen ab 2019 dazu verpflichtet, einen Zuschuss von pauschal 15% zu zahlen, sofern sie Sozialabgaben durch die Entgeltumwandlung sparen. D.h. sobald der Arbeitgeber 1,- EUR Sozialabgabenersparnis hat, ist er zur Zahlung des Zuschusses von 15% verpflichtet. Ein höherer Zuschuss ist natürlich freigestellt. Hinweis: Ab 01.01.2022 gilt diese Regelung auch für bestehende Verträge. Über Details zur praktischen Umsetzung werden wir Sie rechtzeitig informieren.

 

2.3 Weitere Neuerungen für die Direktversicherung

Erhöhung der Förderung durch Abfindung der finanzierten bAV (Neue Vervielfältigungsregel)

Im Zuge der Änderungen wird auch die Vervielfältigungsregel für die §3 Nr. 63 EStG* geförderte Versorgung angepasst. Insbesondere bei Fach- und Führungskräften, deren Verdienst oberhalb der Beitragsbemessungsgrenze liegt, lohnt sich künftig die Einzahlung von steuerfreien Beiträgen aus einer Abfindungszahlung. Für die Dauer von max. 10 Jahren kann eine nachträgliche Beitragsdotierung bis zu 4% BBG vorgenommen werden. Nach der neuen Regelung erfolgt keine Anrechnung bereits geleisteter Beiträge. Zudem gilt die Regelung auch rückwirkend für alle Arbeitnehmer. Demnach kann bei einer Betriebszugehörigkeit von 10 und mehr Jahren folgender Beitrag im Zusammenhang mit einem Ausscheiden steuerfrei eine betriebliche Altersversorgung aufgewendet werden:

10 x 3.048*= 30.480 EUR. Die abweichende Vervielfältigungsregel für Versorgungen nach §40b EStG (gültige Fassung bis 31.12.2004, Pauschalbesteuerung) gilt unabhängig weiter.

*Gilt für Pensionskasse und Direktversicherung; aktueller Wert 2017

Schließung von Beitragslücken in der Erwerbsbiographie wird steuerlich gefördert

Für Jahre ohne Entgeltbezug besteht künftig eine Nachdotierungsmöglichkeit. Pro Kalenderjahr kann bis zu 8% der BBG rückwirkend in die Versorgung steuerfrei eingezahlt werden (max. für 10 Jahre). Durch die Nachdotierung können beitragsfreie Jahre z.B. bei Elternzeit, Sabbatjahr oder die Entsendung ins Ausland nachträglich mit Beitragszahlung versehen werden.

 

3. Riesterförderung in der bAV - Wegfall der Beitragspflicht auf Leistungen in der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung

In der Vergangenheit waren die Versorgungsleistungen einer bAV über Riester, analog den bestehenden Regelungen in der sonstigen bAV, steuer- und beitragspflichtig in der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung. Mit Änderung durch das Betriebsrentenstärkungsgesetz werden die Versorgungsleistungen künftig in der Kranken- und Pflegeversicherung beitragsfrei gestellt (die Steuerpflicht bleibt unverändert bestehen). Zusätzlich wird die Grundförderung von 154,- EUR p.a. auf 175,- EUR p.a. in 2018 angehoben (gilt für Riester privat und bAV gleichermaßen). Die Abwicklung der Riester-bAV erfolgt über den Durchführungsweg „Direktversicherung“. Wie bei jeder bAV, übernimmt der Arbeitgeber die Rechte und Pflichten des Versicherungsnehmers. Hierzu gehört auch die Beitragszahlung. Der Beitrag wird aus dem Nettogehalt des Arbeitnehmers über die Lohnabrechnung vom Arbeitgeber einbehalten und an den Versorgungsträger abgeführt. Der Arbeitnehmer ist versicherte Person, Zulagenberechtigter und Begünstigter auf die Versorgungsleistungen. Durch ihn erfolgt auch die Beantragung der Zulagen.

Wissenswertes für Arbeitnehmer und Arbeitgeber:

Riester über bAV kann zusätzlich zur herkömmlich geförderten bAV nach §3 Nr. 63 EStG genutzt werden, sowie auch additiv zu einer privaten Riesterversorgung. Der Gesamtbeitrag Riester (privat und bAV) darf jedoch den Maximalbeitrag von 2.100 EUR p.a. nicht überschreiten.

B. Übergreifende Änderungen für alle Durchführungswege

Freibetrag Grundsicherung

Erstmalig wird ein Freibetrag für Grundsicherungsleistungen bei zusätzlichen Renten aus bAV-, Riester- und Basisversorgungen eingeführt. Diese Freistellung gilt für Alters- und bei Erwerbsminderungsleistungen:

  • Fester Freibetrag von monatlich 100 EUR (§82 Abs. 4/5 SGB XII-E)
  • Übersteigende Beträge: Zusätzlicher Freibetrag von 30%
  • Max. 50% der Regelbedarfsstufe 1 (in 2017: mtl. 409 EUR => max. 204,50 EUR)*                                           
          *Deckelung wird bei einer Rente von mtl. 448,33€ erreicht

bAV /Riester / Basis

Mtl. Rente

Freibeträge

Gesamt

200 EUR

 

Fester Freibetrag

 

-100 EUR

Verbleibend

 

100 EUR

Zusätzlicher Freibetrag 30%

 

-30 EUR

Anrechnung auf Grundsicherung

70 EUR

 

 

Optionssysteme (Opting-Out)

Im Rahmen eines Optionssystems werden alle Arbeitnehmer automatisch zur Entgeltumwandlung über eine bAV angemeldet, sofern vereinbarte Zugangsvoraussetzungen erfüllt sind (z.B. das Ende der Probezeit). Hierbei sind Informationspflichten und Widerspruchsrechte verbunden:

  • Ein Optionssystem kann rechtssicher vereinbart werden
  • Bei einem Tarifvertrag kann dieser das Optionssystem an den AG delegieren und den Rahmen hierfür vorgeben
  • Schriftliche Vereinbarung mindestens 3 Monate vor Einführung
  • Auf den Umwandlungsbetrag muss konkret hingewiesen werden
  • AN hat mindestens 1 Monat Zeit für eine Abwahl

Nichttarifgebundene AG und AN können die Anwendung „einschlägiger“ tarifvertraglicher Regelungen für ein Optionssystem vereinbaren. Zu Fragen und Umsetzung von Optionssystemen in der Praxis werden wir separat informieren.

 

 C. Einführung eines „Sozialpartnermodells“

Im Rahmen des Sozialpartnermodells soll die bAV im Zuge tarifvertraglicher Regelungen eine größere Verbreitung erfahren. Über sogenannte Beitragszusagen und der Reduzierung der Haftung für Arbeitgeber, bietet das Modell neue Möglichkeiten, die bAV auf tarifvertraglicher Ebene einzurichten.

Die hierfür geltenden Rahmenbedingungen:

  • Umsetzung nur durch tarifvertragliche Regelung
  • Arbeitgeber ohne Tarifbindung können das Sozialpartnermodell durch Vereinbarung der tarifvertraglichen Regelung ebenfalls anwenden, sofern die Versorgungseinrichtung dies vorsieht
  • Bei Entgeltumwandlung: Verpflichtende Weitergabe der tatsächlichen Sozialversicherungsabgabenersparnisse an den Arbeitnehmer, mindestens jedoch 15%
  • Vereinbarung von „reinen Beitragszusage“
    • Direktversicherung, Pensionskasse oder Pensionsfonds
    • Keine garantierten Leistungen
    • Ausschließlich laufende Renten (kein Kapital)
    • Keine Haftung des Arbeitgebers
    • Zusätzlicher AG-Sicherungsbeitrag, sofern tarifvertraglich festgelegt
    • Bei Ausscheiden des Arbeitnehmers und Mitnahme der Versorgung, Übertragung nur in ein anderes „Sozialpartnermodell“ möglich

Das Modell betrifft nur Arbeitgeber, die entweder der Tarifbindung unterliegen oder die Anwendung der einschlägigen Tarifverträge individuell vereinbaren oder vereinbart haben. Besteht bereits eine bAV-Lösung im Unternehmen, so hat die tarifvertragliche Regelung grundsätzlich Vorrang gegenüber einer Betriebsvereinbarung. Tarifvertragsparteien bzw. die betrieblichen Partner sollten Regelungen zur Harmonisierung bestehender betrieblicher Vereinbarungen und tariflicher Neuerungen treffen.

Wie die Tarifvertragsparteien das "Sozialpartnermodell" zur tariflichen Gestaltung von bAV-Lösungen annehmen werden, bleibt abzuwarten. Die Strupp GmbH wird Sie über die weitere Entwicklung des "Sozialpartnermodells" auf dem Laufenden halten.